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Karl Lagerfeld und die dunkle Seite der Mode

Es ist keine große Neuigkeit, dass Modenschauen für Herbst/Winter-Kollektionen häufig sehr düster ausschauen können, Schwarz ist als Trend dabei etwa so überraschend wie Sandalen im Sommer. Aber derart finster wie in der vergangenen Woche war es in Paris selten, was nicht nur an den Kollektionen, sondern vor allem an den unerfreulichen Begleiterscheinungen lag.

John Gallianos Rauswurf bei Dior dürfte sich mittlerweile selbst bis zu jenen herumgesprochen haben, die bis dato davon ausgingen, Galliano sei lediglich der gelbe Likör aus Italien. Die Dior-Kollektion wurde folglich ohne ihren Schöpfer (Gerücht eins: Oder stammte sie sowieso nicht mehr von ihm?) präsentiert. Und dann gab es da ja noch eine andere Schau, die am Ende ohne ihren Designer auskommen musste: Christophe Decarnin, der den erfolgreich-primitiven Rock-Chic zu Balmain brachte, soll wegen Depressionen in Behandlung sein.

Es folgten also endlose Spekulationen und Diskussionen darüber, ob die Designer durch immer mehr Kollektionen zu großem Druck ausgesetzt seien. Der Kommentar von Karl Lagerfeld, der neben Chanel, Fendi und seiner eigenen Kollektion nun auch noch für Hogan arbeitet: „Ein Modehaus zu führen und Mode zu entwerfen ist wie Hochleistungssport. Wenn ein Athlet zu fragil zum Laufen ist, kann er eben nicht laufen.“ Was macht die Modewelt nur, wenn dieser Mann einmal nicht mehr designt und, vor allem, nicht mehr redet?

Vorerst ist er aber noch da, und wie: Für die Chanel-Präsentation war der Grand Palais in eine dampfende schwarze Lavalandschaft verwandelt worden, durch die die Models in flachen Arbeiterstiefeln, hochgekrempelten weiten Hosen oder Tweedjacken über Blazern stapften.

Dazu lief ein Remix von The Cures „A Forest“ – ein fast zu perfektes Timing für so viel Endzeitstimmung. Die Kollektion war entsprechend fast ausschließlich in dunklen Tönen gehalten, die Silhouette burschikos und kaum ein neckisches Accessoire zu sehen, durch und durch coole „Gangs Of Paris“, was die Chanel-Stammkundschaft kurzzeitig irritieren dürfte. Möchte jemand einen Bouclé-Overall?

Die Kollektionen von Riccardo Tisci (Gerücht zwei: Er wird Nachfolger von Galliano bei Dior) bei Givenchy waren ebenfalls eher düster, mit Puma-Drucken, die entfernt an den „Hund von Baskerville“ erinnerten. Haider Ackermann (Gerüchte drei und vier: Er wird Nachfolger von Galliano bei Dior oder Nachfolger von Tisci bei Givenchy), dessen Kollektion frenetisch beklatscht wurde, war noch nie für viel Farbe bekannt, streckenweise schimmerte bei ihm immerhin dunkles Bordeaux, Türkis und Flaschengrün auf.

Marc Jacobs dagegen hatte sich für Louis Vuitton ein sehr viel frivoleres Thema überlegt: Eine ganze Armada eifrig staubwedelnder Dienstmädchen erwartete die Gäste am Eingang zur Show, drinnen standen Liftboys an alten Gitteraufzügen bereit, die kurz darauf die Models auf den schwarzen Laufsteg beförderten: ebenfalls im sexy Dienstmädchen-Look, allerdings mit gelacktem statt gestärktem Bubikragen, halterlosen Strümpfen und hochhackigen Domina-Gummistiefeln, die unzähligen Lockit-Taschen waren teilweise mit Handschellen-Armreifen an die Models gekettet. Eine unglaubliche Show aus „Fetisch“ und „Fashion“, zu dumm nur, dass sie bereits um zehn Uhr morgens stattfand.

Zumindest Kate Moss wäre eine spätere Vorstellung sicherlich mehr entgegengekommen. Sie wirkte als krönender Abschluss des Defilees etwas derangiert, was zur Rolle der rauchenden Zofenmutti durchaus passte, aber man hat schon souveränere Auftritte von ihr gesehen. Vielleicht war dies ihr wirklich letzter Gang über den Laufsteg?

 

14.3.11 10:45
 


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